Unsere Kirchenpatronin

 




St. Luzia

Patronin unserer Pfarrkirche



Gliederung

●  Die Heilige Luzia von Syrakus

●  Luzia, eine historische Heilige

●  Das Leben der heiligen Luzia aus Legenden

●  Brauchtum zum Namensfest der Heiligen

●  Luzia war eine konsequente Christin


Die Heilige Luzia von Syrakus  

 

Unter den Heiligen des Mess-Kanons befindet sich die Hl. Lucia von Syrakus. Die Existenz der Heiligen ist zweifellos historisch, ihrer Leidensgeschichte hat sich die Legende bemächtigt. Sie erlitt ihr Martyrium in Syrakus auf Sizilien, wahrscheinlich während der diokletianischen Verfolgungen. Eine Inschrift in der dortigen Giovanni-Katakombe erwähnt ihr Fest schon um 400. An der Stelle, wo sie der Überlieferung nach für ihren Glauben starb, wurde ihr zu Ehren eine Kirche errichtet. Rechts vom Chor steht die Granitsäule, an der die Hl. Lucia hingerichtet worden ist.

 



In Syrakus wird noch eine Rippe der Heiligen bewahrt, ihre anderen Reliquien wurden dagegen von den Byzantinern nach Konstantinopel gebracht, von wo die Venezianer 1204 einen Teil nach Venedig mitnahmen. Dort werden sie noch heute in der Kirche S. Geremia verehrt. Durch Vermittlung Kaiser Ottos des Grossen soll ein anderer Teil der Gebeine der Hl. Lucia 970 ins Vinzenzkloster von Metz gebracht worden sein.

 

 

 

    (Hl. Luzia in der Chiesa San Geremia in Venedig)

 

 

 

Der Name Lucia - ,die Lichte, Leuchtende' - gab wohl Anlass zu ihrem Patronat als Schützerin des Augenlichtes, gegen Blindheit des Leibes und der Seele, gegen Augenkrankheiten.
Lucia ist die Schutzheilige von Syrakus; ferner der Blinden, Bauern, reuigen Dirnen, Glaser, Kutscher, Näherinnen u. a.

Im Dom von Syrakus, jener eindrucksvollen Basilika, die in einen antiken Tempel eingebaut ist, ist ihr eine Kapelle geweiht. Dort steht eine gekrönte Silberstatue der Heiligen mit Palmzweig und Öllämpchen.

 

 

Luzia, eine historische Heilige  

 

Die Hl. Luzia, eine Märtyrin, die an der Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert in Sizilien lebte. Alles, was wir von ihr wissen, ist durch Legende und Brauchtum zu uns gekommen. Kaum eine Gegend Europas wurde im letzten Jahrhundert von Archäologen so gründlich durchforscht, wie die Heimat der Hl. Luzia; Sizilien und Syrakus. Die Insel im Mittelmeer gibt Zeugnis von allen grossen Völkern und Kulturen des Mittelmeerraumes: Griechen, Römer, Afrikaner, Muslime, Spanier, alle haben sie ihre Spuren hinterlassen. Bei Ausgrabungen im Jahre 1894 fand ein Archäologe in der San Giovanni-Katakombe in Syrakus eine Grabplatte vom Beginn des 5. Jahrhunderts, auf der in der damals üblichen griechischen Schrift und Sprache eine Inschrift mit folgendem Wortlaut stand:

«Euskia ruht hier ... 25 Jahre alt, gestorben am Festtag der Hl. Luzia».

 

Also schon wenige Jahrzehnte nach dem Tode Luzias war ihre Verehrung so verbreitet, dass ihr Todestag auf einer Grabplatte einer andern jungen Frau erschien. Schliesslich wurde auch eine Luziakatakombe mit ihrer Grabstelle gefunden. Ferner haben wir noch ein weiteres geschichtliches Zeugnis dieser Heiligen: Ihr Name blieb im römischen Kanon (das 1. Hochgebet der Messe) erhalten. Sie wird zusammen mit anderen Märtyrerinnen, Felizitas, Anastasia, Perpetua und Agatha, genannt. Das Leben der Hl. Luzia ist also durch verschiedene historische Hinweise bezeugt. Was ihren Lebensweg angeht, haben wir freilich nur Zugang zu ihr durch die Legenden, also in der über viele Jahrhunderte lang geübten Form der Berichterstattung.

 

 

Das Leben der Heiligen Luzia aus Legenden   

 

Legenden erzählen uns mehr und leuchten das Leben eines Menschen tiefgründiger aus, als "gesicherte" historische Daten. Luzia würde uns heute kaum etwas bedeuten, hätten wir von ihr bloss die Eckdaten ihres Lebens. Legenden sind vielschichtig und in ihrer symbolhaften Sprache suchen sie an das Eigentliche, das Geheimnisvolle, also an das nicht so leicht in Worten Ausdrückbare eines Menschen heranzukommen. „Legenden erzählen Wahrheiten, gesehen mit den Augen der Liebe", sagt eine Spruchweisheit.

Das entscheidende Erlebnis im Leben der Hl. Luzia war die wundersame Heilung ihrer Mutter. Es wird berichtet: Eines Tages las Luzia in der Bibel die Stelle, in der erzählt wird, dass Jesus eine Frau heilte, die genau wie ihre Mutter an einer Blutkrankheit gelitten hatte. Das gab den beiden Frauen neuen Mut. Sie machten sich zusammen auf und zogen ins benachbarte Catania zum Grab der Hl. Agatha. Dort beteten sie die ganze Nacht. Gegen Morgen fiel Luzia in tiefen Schlaf, und im Traum erschien ihr die Hl. Agatha, und sie versprach, dass ihre Mutter geheilt würde, und als Luzia kurz darauf erwachte, war ihr Traum in Erfüllung gegangen.

Nach dieser wunderbaren Heilung ihrer Mutter wollte Luzia nichts anderes mehr als ungeteilten Herzens Gott und dem Nächsten dienen. Sie bat um Verzicht auf die vorgesehene Heirat mit ihrem Verlobten und verschenkte ihre Aussteuer und ihr Vermögen an die Armen in der Stadt. Von da an gehörte Luzia zu den treuesten Anhängern Christi um 300. In jener Zeit aber wurden die Christen von der römischen Staatsmacht blutig verfolgt. Deshalb kamen sie in den dunklen unterirdischen Grabstätten, in den Katakomben, zu ihren verbotenen Versammlungen zusammen und beteten da zu Gott. Luzia brachte dort ihren Glaubensgenossen heimlich Lebensmittel. Sie setzte sich dabei einen Lichterkranz auf das Haupt, so dass sie in der Dunkelheit den Weg fand und beide Hände frei hatte, um die Speisen tragen und verteilen zu können.

 Ihr empörter und enttäuschter Bräutigam verklagte sie wegen ihres radikalen Christseins beim römischen Statthalter. Da die Christen unter dem damaligen Kaiser Diokletian besonders blutig verfolgt wurden, hatte diese Anklage schlimme Folgen. Der Statthalter liess Luzia verhaften. Sie war aber nicht von ihrer Überzeugung abzubringen, und so liess der Statthalter sie vor den Richter Paschasius führen.

Darauf befahl dieser, sie in ein öffentliches Haus bringen zu lassen, auf dass sie ihre Keuschheit verliere und der Heilige Geist, der sie, wie sie dem Richter gesagt hatte, erleuchtete, von ihr weiche. Da wurde Luzia eben von jener Kraft und Gnade des Heiligen Geistes so schwer, dass man sie nicht von der Stelle bewegen konnte. Die Legende beschreibt ihre Standhaftigkeit und ihren unerschütterlichen Glauben mit folgendem Bild: „Aber selbst tausend Mann und ein Joch Ochsen vermögen sie nicht von der Stelle zu bewegen."

Nun errichtete man einen Scheiterhaufen, doch auch Feuer und siedendes Öl, mit dem man die Jungfrau übergoss, taten ihr nichts zuleide. Daraufhin liess der Richter sie von einem Soldaten mittels eines Stiches in den Hals ermorden. Nach ihrem Tod habe sie ihre schönen Augen, die ihr Bräutigam immer so gepriesen habe, ihm überbringen lassen, weil sie nunmehr mit den Augen des Geistes sehe und in der Anschauung Gottes sei. Deshalb wird Luzia oft mit einer Schale dargestellt, auf der zwei Augen ruhen.

 

 

Brauchtum zum Namensfest der Heiligen

Meist wird sie mit den Attributen dargestellt, die die Legende nahelegen: Das Schwert im Hals ist ein Hinweis auf ihren Martertod. Die Schale mit den Augen erinnert an die Augen-Legende. Die Lichterkrone, Öllampe oder Kerze illustrieren ihren Namen, die «Leuchtende».

Dass Luzia, die Leuchtende, im hohen Norden mit seinen langen, dunkeln Nächten verehrt wird, wundert uns nicht. Besonders verehrt wird sie in Schweden. Allerdings wurde sie stark profanisiert (so ähnlich wie bei uns der heilige Nikolaus), und Bilder von ihr gibt es in den Kirchen kaum, da Darstellungen von Heiligen in evangelischen Kirchen selten anzutreffen sind.

Wenn alljährlich der Nobelpreisträger für Literatur nach Stockholm kommt, um seinen Preis in Empfang zu nehmen, erhält er üblicherweise den Auftrag, im Stockholmer Rathaus der Luzia ein Schmuckstück zu überreichen.

Es gibt aber in Schweden auch noch Luzia-Brauchtum das weiter zurückreicht und direkter an der Legende anknüpft. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verzeichnen die Quellen weiss gewandete Mädchen mit einem Lichterkranz auf dem Haupt, die zum nächtlichen Schmaus leckere Speisen auftrugen.

In vielen Familien ist es heute üblich, dass die jüngste Tochter in der Frühe des Luziatages sich in ein weisses Gewand kleidet, umgetan mit einer roten Schärpe, gekrönt mit der Lichterkrone, und weckt so die Mitbewohner und reicht ihnen das „St.-Luzia-Frühstück".

Stärker mit dem religiösen Brauchtum verbunden sind die Luzia-Feiern in katholischen Gegenden. So gibt es in Syrakus auf Sizilien jährlich eine fast sechsstündige Prozession. Unter Böllerschüssen und den begeisterten Rufen der Menge «Viva Santa Lucia» wird eine riesige Luzia-Statue im Lichtermeer durch die Stadt zur Chiesa Santa Lucia draussen vor den Stadtmauern getragen. Dort wird Santa Lucia aufgestellt, und in endlosen Reihen ziehen die Gläubigen vorbei und legen der Heiligen Blumen zu Füssen.

Einen besonderen tiefsinnigen Brauch gibt es in Südosteuropa. Dort ist es üblich, am 13. Dezember den sogenannten Luzia-Weizen auf einen Teller zu streuen. Der feuchtwarme Untergrund bewirkt, dass der Weizen bis zum Heiligen Abend aufkeimt. In die Mitte der grünen Keimlinge steckt man dann eine Kerze und stellt den Teller mit dem Luzia-Weizen vor die Krippe. Der Weizen symbolisiert Christus ("das ist mein Leib"), von dem alles "Licht" der Welt kommt.

 

 

Luzia war eine konsequente Christin

Luzia handelte im Sinne Christi und der Bibel. Ein junger Mann, der Jesus fragte, was er neben dem Einhalten der Gebote Gottes noch tun müsse, erhielt die Antwort: "Wenn es dir ums Ganze geht, dann verkaufe den Besitz und gib das Geld den Armen" (vgl. Mt 19, 20 f.).

Luzias Verzicht auf die Ehe ist kein Entscheid gegen Ehe und Sexualität, sondern Ausdruck ihrer tiefen Gottesliebe. Und auch dieser Verzicht richtet sich nach einem Wort Jesu: "... andere wieder verzichten auf die Ehe, weil sie ganz davon in Anspruch genommen sind, dass Gott seine Herrschaft aufrichtet. Versteht es, wenn ihr könnt" (vgl. Mt 19, 12).

Schliesslich ist Luzia eher bereit, für Christus zu sterben, als ihn zu verleugnen. Auch da erfüllt sich in ihrem Leben ein Wort Jesu: "Selig seid ihr, wenn euch die Menschen verfolgen" (vgl. Mt 5, 11).

An dieser Heiligen wird deutlich, was es heisst, wenn Jesus sagt, "Ihr seid das Salz der Erde" (Mt 5, 13). Mit ihrer konsequenten Gottes und Nächstenliebe, die auch vor dem Martyrium nicht zurückschreckte, zogen Heilige wie Luzia Scharen von Nichtchristen in ihren Bann und schliesslich in die Nachfolge Christi. Sie wurden zum "Licht der Welt" (Mt 5114), das alle Dunkelheit durchbricht und auf das Licht schlechthin, Jesus Christus, hinweist.

In dem Sinn ist Luzia eine adventliche Heilige: Mit ihrem Licht durch ihr Vorbild der radikalen Nachfolge bereitete sie damals und bereitet sie heute noch Menschen den Weg zu Jesus Christus.

 

 

                       
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